Orlando Bloom Forum (http://www.orlandobloom.de/forum/http://www.orlandobloom.de/forum)
- Kreativ Bereich (http://www.orlandobloom.de/forum/board.php?boardid=8)
--- Fanfiction (http://www.orlandobloom.de/forum/board.php?boardid=61)
---- Orlando Bloom (http://www.orlandobloom.de/forum/board.php?boardid=43)
----- Im Bann des Theaters (Romanze) (http://www.orlandobloom.de/forum/thread.php?threadid=4382)
Geschrieben von grassolini am 31.03.2009 um 12:22:
Viel spaß im Urlaub. In den USA ?
Erhol dich gut, damit es bald weitergehen kann.
Geschrieben von Jin am 02.05.2009 um 21:29:
Kapitel 36: Es weihnachtet sehr...
--------------------------------------------------------------
@Grassolini: Ich hoffe, dir hat das Warten nicht zu viel ausgemacht

Es ging aber leider nun wirklich nicht anders, da ich doch jeden Tag mit Lernen beschäftigt war...
Ja, es ging in die USA, genauer gesagt nach Miami bzw. Fort Lauderdale. Von dort aus wiederum ging es weiter aufs Schiff...
Eine gute Nachricht habe ich aber inzwischen: Ich habe die Geschichte beendet ^^ Es waren ja eh nur noch 1-2 Kapitel und tja...*lala Ich freu mich total, dass ich nun fertig bin ^^
-------------------------------------------------------
Bunte Lichterketten schmückten die Geschäfte, die Schaufenster waren weihnachtlich dekoriert und Nikoläuse standen vor den Geschäften und versuchten Kunden anzulocken. Ihr heiteres ‚Hoho!’ und ihr helles Glockenbimmeln hallten über die überfüllten Gehwege.
An einer Straßenecke spielte eine Gruppe von Jugendlichen ‚Holly Christmas’. Überall herrschte Gedrängel und Hektik. Die Massen strömten erbarmungslos vorwärts und kümmerten sich nicht im mindestens darum, ob sie jemanden anstießen oder Autos mit quietschenden Reifen vor ihnen anhalten mussten.
Man mochte fast nicht glauben, dass das Fest der Liebe in ein paar Wochen stattfinden würde, wo doch so viel Unfreundlichkeit und Egoismus in den Straßen vorherrschte. Nur die wenigsten Passanten schlenderten gemütlich durch das weihnachtliche London. Sie wirkten seltsam...falsch an diesem Ort. Wie ein Fremdkörper.
Eine von diesen Personen war Anastasia. Die Fünfundzwanzigjährige schlenderte gelassen die überfüllte Shoppingstraße entlang und blieb hier und dort vor einem Schaufenster stehen. Vor der Gruppe jugendlicher Musikanten verweilte sie gar mehrere Minuten und gab den drei Jungen schließlich als Zeichen des Dankes zwei Pfund.
Als ihr Handy schließlich klingelte, fischte sie es gelassen aus ihrer Tasche und nahm das Gespräch mit einem ‚Anastasia Aren, guten Tag’ entgegen. Kurz darauf erstrahlte ihr Gesicht im Glanz eines Lächelns. „Betty! Wie schön, dass du anrufst. Geht es dir gut...? Das mit Silvester geht doch in Ordnung, oder?!“
„Natürlich geht das klar, Ana!“, erwiderte ihre deutsche Freundin am anderen Ende der Leitung. „Ich lasse mir doch nicht meinen exklusiven Londonurlaub bei meiner besten Freundin entgehen!“ Ein gespielt entrüstetes Schnaufen entkam der Rothaarigen. „Da kann mein Chef so sehr meckern wie er will! Mir doch egal, wenn auf einmal alle anderen auch frei haben wollen! Ich für meinen Teil...“ Das ‚Ich’ betonte sie dabei insbesonders. „...habe meinen Urlaub rechtzeitig beantragt und lass mir diesen nun auch nicht mehr wegnehmen!“
Anastasia stieß ein Lachen aus. „Richtig so, Süße! Lass dir da bloß nicht reinreden, immerhin vermissen wir beiden dich hier schon sehnsüchtig.“ Ein trauriger Hauch schwang in der Stimme der Schwarzhaarigen mit. In Momenten wie diesen bemerkte sie immer erst, wie sehr sie ihre Freunde fern in der Heimat vermisste. Ihrer Kehle entrang sich ein wehmütiges Seufzen.
„I wo, das klappt schon.“, versicherte Betty ihrer Freundin. „Und bei euch..? Alles okay?“
Ana nickte mit dem Kopf. „Oh ja, hier läuft alles ganz gut. Ich habe mich endlich in den Job eingefunden und auch Wanda hat bereits Freunde gefunden und...“
„Und da wären ja auch noch die freundliche Frau Brie, der vorlaute Stan und der sexy Jonathan, nicht?“ Ein Kichern entwich Bettys Kehle. „Oh man, ich bin ja schon so was von gespannt darauf, die drei endlich einmal kennen zulernen!“ Vorfreude schwang in Bettys Stimme mit. „Insbesondere den mysteriösen Jonathan.“ Ein erneutes Kichern ertönte. „Ich glaube, ihr zwei würdet wirklich gut zusammen passen!“
„Betty!“ Anastasia stieß ein Seufzen aus und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Inzwischen war sie in einer ruhigeren Seitenstraße angekommen. Hier herrschte kein Gedränge mehr. „Zwischen mir und Jonathan läuft nichts und es wird auch nichts laufen, kapiert?!“
„Süße, Süße.“ Bettys Stimme hatte einen tadelnden Ton angenommen. „Dir würde ein neuer Freund wirklich einmal gut tun. Es ist schon viel zu lange her, dass du dich einmal hast richtig fallen lassen können!“ Kurz schwieg die Rothaarige, ehe sie fortfuhr zu reden: „Ich mein, Sex schön und gut, aber du brauchst eindeutig jemanden zum reden, weißt du...? Jemanden zum abends ankuscheln und jemanden zum morgens früh neben aufwachen.“
Anastasia stieß ein Seufzen aus. „Ich weiß doch Betty, aber es eignet sich nun einmal nicht gleich der erst beste Mann dafür, okay? Ohne Kribbeln läuft da einfach nichts!“ Die Stimme der jungen Frau hatte etwas Energisches angenommen.
„Ich weiß doch, Liebes.“, sprach Betty beschwichtigend auf ihre Freundin ein. „Aber irgendwie...na ja meinst du nicht, dass Jonathan genau dieses Kribbeln in dir hervorrufen könnte?“ Hoffnung schwang in Bettys Stimme mit. „Er scheint doch wirklich ziemlich nett zu sein!“
„Betty!“ Ein Seufzen seitens Ana erfolgte. „Ich sagte nein und das heißt auch nein, kapiert?!“ Die junge Frau schüttelte ihren Kopf. „Außerdem muss ich jetzt eh auflegen. Die Arbeit wartet.“
„Schon...?!“ Betty spitzte die Lippen und stieß ein missmutiges Grummeln aus.
„Ja schon, Liebes. Tut mir Leid, aber ich muss nun wirklich arbeiten.“ Anastasia blieb vor der Cafetür stehen und stapfte sich den Schnee von den Füßen. „Also mit Silvester geht alles klar, ja...? Du sagst mir noch Bescheid, wann genau ich dich abholen muss, okay?“
„Aber klaro, Ana! Ich freue mich schon.“ Ein Lächeln klang in Bettys Stimme mit. „Mach’s gut, Liebes und grüß den blonden Wirrschopf von mir, okay?“
„Mach ich.“, versprach Ana und fügte dem noch ein ‚Tschüss!’ hinzu...
----------------------------------------------
„Mum, ich bin da!“ Seit vielen Wochen betrat Orlando zum ersten Mal wieder sein Elternhaus. Tief sog er den charakteristischen Duft von alten Büchern, süßlich duftenden Kuchen und Orchideen in sich ein. Er schloss kurz seine Augen, genoss es einfach wieder daheim zu sein, daheim in seinem geliebten Canterbury. Dann blickte er sich, ein Lächeln auf den Lippen tragend, um.
Alles war wie immer. Die kleine Diele strahlte eine gemütliche Wohlfühlatmosphäre aus, die zahlreichen Orchideen, die die Lieblingsblumen seiner Mutter waren, gaben dem kleinen Raum das gewisse Etwas. Nur die zahllosen Kinderfotos wollten Orlando nicht so recht behagen. Was gab es schließlich Schlimmeres, als wenn gleich jeder Besucher Einblick in sein privates Leben erhielt? Außerdem fielen manche der Fotos nicht gerade schmeichelhaft aus, um nicht sozusagen, dass sie ihm furchtbar peinlich waren...
Orlando strich, während er den Raum durchmaß, über die alte, abgenutzte Kommode, die seit seiner Kindheit schon immer denselben Platz im Flur eingenommen hatte. Das alte Erbstück wurde liebevoll von Mrs. Bloom umsorgt und das gehäkelte Tuch, das wie stets über der Kommode ausgebreitet war, hatte noch Orlandos Urgroßmutter in mühsamer Arbeit mit kleinen Vögeln und Blumen bestickt.
In vielen Punkten mochte Orlandos Mutter eher modern angehaucht sein, aber wenn es um alte Familienerbstücke ging, war mit der Frau nicht zu scherzen, denn diese hütete sie wie ihr Leben. Zudem schaffte sie es stets irgendwie doch noch ein Plätzchen für ein neues Erbstück freizumachen. Wen wunderte es da noch, dass das Hause Bloom eher einen veralterten, wenn auch äußerst gepflegten Eindruck bei den Besuchern erweckte?
Manche mochten die alten Möbel nicht mögen, diesen leicht muffeligen Geruch, der von den zahllosen alten Büchern ausging, aber Orlando liebte sein Elternhaus so wie es war. Für ihn war es ein Stück Heimat.
„Mum, bist du da...?!“ Orlando lugte ins Wohnzimmer und zog sich dann wieder in den Flur zurück. „Mum...?“ Er schlenderte weiter in die Küche, den Lieblingsraum seiner Mutter, die stets neue Leckereien an diesen Ort hervorzauberte. „Mum, wo bist du denn?“ Seine Stimme hallte laut durch das leere Haus.
„Mum ist nicht da, Brüderchen.“ Unbemerkt von Orlando war Sam die Treppe herunter gekommen. Sie schenkte ihrem Bruder ein breites Lächeln. „Wo hast du denn Sidi gelassen, mh...?“, wollte sie wissen, während sie langsam die letzten paar Stufen herunterstieg.
„Draußen im Garten. Wo auch sonst...?“ Orlando trat einen Schritt auf seine Schwester zu und zog diese in eine Umarmung. „Hey, Sam.“, begrüßte er die Braunhaarige und hauchte ihr anschließend einen Kuss auf die Wange. „Wo ist denn Mum?“
„Einkaufen.“ Samantha schenkte ihrem Bruder ein keckes Augenzwinkern. „Ihr kleines Söhnchen frisst ihr schließlich immer die Haare von Kopf.“
Orlando entlockten diese Worte wiederum nur ein beleidigtes Schnaufen. „Na was kann ich denn dafür, wenn Mum so gut kochen kann?! Da kann man doch einfach nur zulangen...!“
------------------------------------------------
Anastasia betrat das kleine, italienische Cafe. Sofort drang der Gesang eines italienischen Tenors an ihr Ohr und eine heimelige Wärme hüllte sie in seine Umarmung. Die Besucher unterhielten sich leise miteinander, ihre Tassen klirrten.
All dies nahm Anastasia mit einem Lächeln auf dem Gesicht wahr. Sie zog sich die Mütze vom Kopf und öffnete die Knöpfe ihres Mantels. Hier und da begrüßte sie einen der Stammgäste, als sie den Raum durchmaß.
„Guten Tag, Mr. Omeli.“, begrüßte sie den alten Senioren, der jeden Tag um Punkt neun Uhr seinen Kaffee im provenzalischen Cafe einnahm.
„Guten Morgen, Kindchen.“ Ein gutmütiger Blick traf Anastasia. „Würden sie mir bitte noch mein Croissant bringen?“
Anastasia nickte. „Aber natürlich, Mr. Omeli. Kommt sofort. Ich ziehe mich nur eben um.“, versprach sie dem Stammgast und wuselte sogleich hinter die Theke, wo sie sogleich von Stan und Sina im Empfang genommen wurde, die sie zu höchst energisch in den kleinen Aufenthaltsraum hinter der Theke drängten.
„Wir müssen reden! Und zwar jetzt! Sofort!“ Stan stand Ana direkt gegenüber. Der junge Mann hatte sich die Hände in die Hüften gestemmt und blickte die Deutsche eindringlich an.
Anastasia wiederum erwiderte diesen Blick sichtlich verwirrt. „Was...? Was ist...“, begann sie zu fragen, wurde jedoch prompt von Sina unterbrochen: „Orlando Bloom! Ana, dein verdammter Jonathan ist Orlando Bloom!“
----------------------------------------------------
„Wanda, würdest du uns bitte deinen Aufsatz vorlesen?“ Wandas Englischlehrerin winkte das Mädchen zu sich nach vorne. Die dürre Frau mit dem gestrengen Dutt und der starren Haltung herrschte mit einer Härte und Strenge über die Klasse, wie es sonst kein anderer Lehrer der Schule vermochte.
Es wunderte also nicht, dass das Mädchen ihrer Anweisung geknickt und nur äußerst widerwillige folgte. Vorne angekommen wippte sie unruhig auf ihren Fußballen auf und ab. Ihre Lippen hatte sie zu einem dünnen Strich zusammengepresst.
„Mein Traum.“, begann sie schließlich ihren Aufsatz vorzulesen. „Mein Traum ist es einen Dad zu haben, der jeden Tag mit mir spielt und mir einen Hund schenkt. Ich möchte mit ihm im Park spazieren gehen und für ihn am Vatertag ein Bild malen können. Ich möchte mit ihm ins Kino gehen und von ihm Geschichten erzählt bekommen.“ Sie schwieg kurz, räusperte sich unbehaglich. „Mein größter Wunsch ist es, dass meine Tante und ich irgendwann einmal eine richtige Familie werden. Eine Familie mit Mutter und Vater und Kind...“
Kurze Zeit herrschte eine angespannte Stille im Klassenraum, bis die strenge Englischlehrerin schließlich fragte: „Was ist denn mit deiner richtiger Mutter, Kind...? Und mit deinem Vater...?“ Zum allen ersten Mal klang vielleicht ein Hauch von Mitgefühl in der Stimme der dürren Frau mit und die sonst so starre Haltung wirkte irgendwie weicher....
„Meine...meine Mum ist tot.“ Wanda hielt den Blick gesenkt. Sie war ganz ruhig geworden. Ihre Augen bargen eine tiefe Traurigkeit und ihr Gesicht war ganz blass geworden. Die zu Fäusten geballten Hände hatten sich in ihren Pullover verkrallt. Ihre Zähne knirschten, so fest biss sie sie zusammen. „Und mein Dad...mein Dad will mich nicht...“
---------------------------------------------------
„...und dann war Annie auch noch so dreist und hat ihm widersprochen!“ Ein Lachen entrang sich Orlando, in das seine Schwester sogleich mit einstimmte.
„Oh ja! Das war wirklich genial!“, pflichtete ihm Sam zu, der erneut ein Glucksen entwich. Die beiden Geschwister hatten sich in der Küche bei Tee und Plätzchen niedergelassen und tauschten alte Schulgeschichten aus. Sidi hatte sich indes zu ihren Füßen niedergelassen und schnarchte friedlich vor sich hin. Nur hin und wieder öffnete er zaghaft ein Auge und schenkte seinem Herrchen einen verwirrten Blick.
„Und weißt du noch als Sophie...?“ Orlando musste den Satz nicht einmal beenden. Seine Schwester wusste auch so, was genau der Schauspieler meinte und fiel in sein Lachen mit ein. „Sophie hatte doch tatsächlich...“ Abrupt hielt er im Reden inne.
Die Haustür wurde erst ruckartig geöffnet und fiel dann mit einem lauten Knall ins Schloss. Energisch Schritte näherten sich der Küche und einen Hurrikan gleich stürmte schließlich Mrs. Bloom in den Raum. „Orlando Bloom, was bitteschön soll das schon wieder bedeuten?!“ Sprach’s und knallte einen Zeitungsartikel vor ihrem Sohn auf den Tisch....
----------------------------------------------
Mein Kapitelkommentar:
Eigenlob stinkt, ich weiß, aber ich bin trotzdem verdammt stolz auf mich bzw. dieses Kapitel *g* Das grenzt doch echt an einen zumindest kleinen Geniestreich oder?! Einerseits haben wir da den Zeitungsartikel und Wanda, die den Tränen nahen ist, und andererseits Ana, der ein ziemlich ähm anstrengendes Gespräch bevor stehen wird *g* Jeah, ich kann nur sagen: Manchmal bin ich doch baff, was ich hin und wieder Sinnvolles zustande bringe
Noch eine kleine Bitte am Ende: Reviewt doch bitte

Ich weiß, dass man nicht immer Lust dazu hat, aber es würde mich wirklich sehr, sehr freuen und mir den Tag irre versüßen
Geschrieben von grassolini am 03.05.2009 um 11:51:
OH OH, was kommt jetzt wieder. Bin gespannt.
Schön, das du wieder da bist.
Geschrieben von Jin am 13.05.2009 um 18:01:
Kapitel 37: Alles Chaos I
------------------------------------------------------------
„Orlando Bloom...! Ana, dein verdammter Jonathan ist Orlando Bloom!“
Kurz herrschte Schweigen in dem kleinen Raum, dann zuckte Ana unbekümmert mit den Schultern. „Aber das weiß ich doch.“, gab sie schlicht von sich.
„Was...?!“ Sinas Stimme glich beinahe einem Kreischen. „Du willst mir doch nicht wirklich sagen, dass du mir vorenthalten hast Orlando Bloom zu kennen oder?!“ Die junge Frau hatte ihr Arme auf die Schultern Anas gelegt und schüttelte diese kräftig. „Sag mir das nicht! Oh, sag mir das bloß nicht!“
Anastasia wiederum befreite sich mit einem Ruck von ihrer Arbeitskollegin und brachte einen Meter Abstand zwischen ihr und sich selber. „Ich weiß es ja auch erst seit kurzem!“, verteidigte sie sich. „Außerdem bleibt Jonathan für mich Jonathan, egal ob er in Wirklichkeit irgendein Schauspieler ist oder nicht!“
„Irgendein Schauspieler...?! Irgendein Schauspieler?!“ Sinas Reaktion war beinahe schon als hysterisch zu benennen. Die junge Frau schüttelte mehrmals hintereinander energisch den Kopf und fuhr sich fahrig durch die Haare. „Orlando Bloom ist der Schauspieler schlechthin!“ Sie stemmte sich die Hände in die Hüften und blickte ihre Arbeitskollegin energisch an. „Weißt du überhaupt, wie bekannt er ist?!“
„Ja, natürlich.“ Ana zuckte erneut mit den Schultern. „Ich habe selber ein paar Filme von ihm gesehen. An dem ‚Herrn der Ringe’ kam man damals schließlich einfach nicht vorbei, nicht?“
„Ha! Der ‚Herr der Ringe’!“, entfuhr es Sina abwertend. „Da hatte er doch nur eine kleine Rolle gespielt! Du hättest ihn einmal in ‚Königreich der Himmel’ oder ‚Fluch der Karibik’ sehen sollen!“ Verzückt verdrehte Sina ihre Augen. „Er ist ja so süß!“
„Sina, also bitte!“, empörte sich Anastasia. „Wir reden hier immer noch einfach über Jonathan, okay?! Schön und gut, da mag er vielleicht ein bekannter Schauspieler sein...“, erklärte sie ihrer Freundin und setzte dem noch als Zugeständnis hinzu: „...und von mir aus auch ein sehr bekannter, aber letztendlich zählt für mich nur, dass ich Jonathan den Menschen mag, okay?!“
Die Augen der Deutschen funkelten energisch. „Und jetzt lass mich damit in Ruhe! Mr. Omeli wartet auf sein Croissant.“, sprach’s und drängte sich anschließend an Sina vorbei, die ihr sprachlos nachsah. Allerdings lief Anastasia kurz darauf prompt in Stans Arme, der sich bisher geschickt im Hintergrund gehalten.
„Na, na, Süße!“, tadelte er sie sanft, während er einen Arm um ihre Taille schlang und mit den anderen ihre Wange tätschelte. „Wohin denn so schnell, mmh...?“
„Wohin schon?!“, fauchte Anastasia ihn an. „Arbeiten!“ Sie kniff ihre Augen zu schmalen Schlitzen zusammen und stemmte ihre Hände gegen Stans Brust.
„Tztz, Süße. Nur Arbeit im Kopf zu haben ist nicht gut für dich!“ Stan kniff ihr tantenhaft in die Wange und schenkte ihr ein unverschämtes Grinsen. „Du solltest viel lieber deinen Orlando einmal anrufen und ihn hierher ordern.“ Ein Funke von Vorfreude und Entzückung glomm in den Augen des schwulen Mannes auf. „Gott, ich habe mit Orlando Bloom telefoniert!“, entfuhr es ihm dann auf einmal und verzückt verdrehte er seine Augen.
Das obligatorische Jauchzen ließ Ana das Gesicht verziehen. „Stan bitte, Jonathan ist doch kein Hund!“, empörte sie sich. „Und außerdem...“, wollte sie dem noch hinzu setzen, wurde jedoch prompt von ihrem Arbeitskollegen unterbrochen: „...ist er sexy, hat den geilsten Arsch der Welt, ist stinkreich und hat ein wunder-, wunderschönes Lächeln!“
„Stan...!“
--------------------------------------------
„Orlando Bloom, was bitte soll das schon wieder bedeuten...?!“ Mrs. Bloom hatte ihre Hände energisch in die Hüften gestemmt und wirkte durchaus einschüchternd, wie sie sich so vor ihrem Sohn aufbaute und ihn von oben herab zornig anfunkelte.
„Was soll was bedeuten...?“, wollte Orlando ahnungslos wissen, der versuchte einen Blick auf die Zeitung zu erhaschen, die seine Mutter, kaum dass sie sie auf den Tisch gelegt hatte, wieder ergriffen hatte und nun zusammen knüllte.
„Orlando Bloom, seit wann hast du bitteschön eine Tochter?!“ Mrs. Blooms Stimme glich einem Kreischen.
Orlando verschluckte sich indes prompt an seinem Tee. „Was...?!“ Mit einem Satz war er aufgesprungen. Der Stuhl fiel hinter ihm mit einem Poltern zu Boden. „Mum bitte! Seit wann glaubst du bitteschön den Mist, der in den Zeitungen steht?!“
Seine Mutter wurde sichtlich blass. „Noch...noch nie.“, gab sie schließlich stammelnd zu. „Aber...aber ich mein, was soll denn das Ganze bitte, mmh?!“ Nun traf ein eindeutig besorgter Blick Orlando, der gefolgt wurde von einer festen Umarmung und einem tröstenden Wangentätscheln. „Ach, Jonathan... Du weißt doch, dass mich diese ganzen Lügengeschichten immer furchtbar aufregen!“
„Ich weiß doch, Mum.“ Orlando schlang einen Arm um die Taille seiner Mutter und zog sie tröstend an sich. „Reg dich bitte nicht so auf, okay...?“ Er schenkte ihr ein beruhigendes Lächeln.
„Na gut.“ Mrs. Bloom stieß ein Seufzen aus und löste sich dann von ihrem Sohn. Mit einem Seufzen ließ sie sich anschließend am Küchentisch nieder und zog die noch volle Tasse ihres Sohnes zu sich heran. „Und jetzt erzähl mir, was es mit der ganzen Sache in Wirklichkeit auf sich hat!“, verlangte sie energisch, während sie am Tee nippte.
„Mum, könnte ich nicht erst einmal...“ Orlando ließ seinen Blick bittend zu der Zeitung wandern, die inzwischen nur noch einen zerknüllten Haufen glich.
„Oh, ja...ja natürlich.“ Seine Mutter reichte ihm den traurigen Haufen Rest Zeitung....
---------------------------------------------
Die Stimmung im italienischen Cafe war leicht angespannt. Während Ana mit einem verbissenen Lächeln um den Mund die Gäste bediente, schenkten ihr Stan und Sina nur verständnislose Blicke. Hin und wieder tuschelten die beiden Engländer miteinander oder warfen sich gegenseitig skeptische Blicke zu. Beide schienen hibbeliger als sonst zu sein. Ihre Bewegungen waren fahrig und ab und zu unterlief ihnen ein grobes Missgeschick.
„Guten Tag, Mrs. Stanford.“ Lächelnd wischte Anastasia geschäftstüchtig den Tisch vor dem neuen Gast ab und zückte dann ihren Notizblock. „Was darf es denn sein...?“
„Morgen, Kindchen.“, grüßte die alte Frau mit dem faltigen Gesicht zurück. „Bringen sie mir doch bitte einen guten, englischen Tee und ein Sandwisch, ja?“, bat sie die junge Frau, während sie ihren Notizblock auf den Tisch ablegte und sich die Jacke auszog.
„Aber natürlich, Mrs. Stanford. Das Käsesandwich...? Wie üblich?“, hakte Ana nach, während sie der alten Frau die Jacke abnahm und sie sich über den Arm hängte.
„Das wäre lieb, Kindchen.“ Die alte Frau tätschelte der Deutschen die Hand. „Sie sind wirklich ein Schatz, meine Liebe. Was würde ich nur ohne sie machen?“ Ein liebevoller Blick traf Ana, die mit einem Lachen auf dieses Lob reagierte.
„Ohne mich würden sich Sina oder Stan um sie kümmern, Mrs. Stanford.“ Sie zwinkerte der alten Frau vergnügt zu. „Schließlich ist der Kunde König und eine persönliche Freundin des Chefs brüskiert man erst Recht nicht.“
Mrs. Stanford stieß ein Lachen aus. „Wahrscheinlich haben sie Recht, aber sie kennen mich ja inzwischen schon so gut und es freut mich wirklich sehr jeden morgen kurz mit ihnen zu reden.“, erklärte sie Ana. „Und nun husch, husch, meine Liebe.“ Sachte tätschelte sie die Hand der jüngeren Frau. „Der junge Mann neben mir scheint auch hungrig zu sein und außerdem schreibt sich mein Buch nicht von alleine.“ Sie zwinkerte Ana vergnügt zu.
Diese stieß indes ein Lachen aus. „Das wohl nicht.“, pflichtete sie ihr bei. „Ich bringe ihnen gleich ihren Tee und das Sandwich, in Ordnung? Geben sie mir nur fünf Minuten, denn der junge Mann scheint wirklich ein bisschen ungeduldig zu sein.“ Mit einem letzten Lächeln auf den Lippen wandte sich Ana von der alten Frau ab.
Kurz darauf kam sie mit einem Tablett samt dampfender Tasse und leckeren Sandwich zurück. „So, Mrs. Stanford.“ Sie stellte das Tablett vorsichtig auf den Tisch ab und platzierte das Geschirr vor der alten Frau. „Ich hoffe, es schmeckt ihnen.“
„Aber natü...“ Abrupt hielt die alte Frau im Sprechen inne, denn mit einem Knall schepperte die Eingangstür gegen die Wand und ein lautes ‚Mio doro, Ana seien in Zeitung!’ erfüllte das sonst so stille Cafe.
„Was zum....?“ Ungläubig musterte Anastasia ihren Chef, der mit großen Schritten auf sie zugeeilt kam und hektisch mit einer Zeitung in der Hand wedelte.
„Ana, du seien in Zeitung!“, rief er nochmals und schnaufend blieb er schließlich vor der jungen Frau stehen. „Luigi gehen zu kleine Cafe und auf den Weg sehen Bild von dir! Seien sehr attonito, sehr erstaunt.“, erklärte er ihr und wedelte mit der Zeitung in der Hand. „Du schauen!“, forderte er sie dann stolz auf und hielt die Zeitung so, dass die junge Frau einen direkten Blick auf die Titelseite der Times und damit auf ihr Gesicht werfen konnte...
------------------------------------------------
Orlando Bloom liiert!
London – Ja, was ist denn das für ein Verhalten?! Hat Orlando Bloom (27) etwa seine Exfreundin und Schauspielkollegin Kate Bosworth wegen einer anderen verlassen...?! Und was hat es mit dem circa siebenjährigen Mädchen (Bild) in seiner Begleitung auf sich?! Hat Orlando etwa jahrelang seine Vaterschaft geleugnet?!
Jetzt ist es für Millionen von weiblichen Fans zur bitteren Wahrheit geworden: Der allseits beliebte Jungschauspieler Orlando Bloom ist liiert! Wer allerdings die schöne Schwarzhaarige in seiner Begleitung ist, ist noch nicht bekannt. Beide wurden am vorherigen Dienstag turtelnd im Hyde Park gesehen. Zu einen Interview oder eine Stellungnahme erklärte sich Mr. Bloom bisher nicht bereit. Schon kurz zuvor waren jedoch Gerüchte bezüglich einer erneuten Beziehung und einer Vaterschaft des bekannten Schauspielers aufgekommen. Erst jetzt scheinen diese sich allerdings mit den uns exklusiv vorliegenden Fotos zu bestätigen, ja sie scheinen nun mehr Tatsachen zu sein. Ungeklärt bleibt indes ob Orlando Bloom seine ehemalige Verlobte Kate Bosworth aufgrund dieser neuen Liebelei verlassen hat oder ob die Beziehung aus anderen Gründen gescheitert ist. Vermutungen legen jedoch nahe, dass die schöne Schwarzhaarige durchaus der Grund für dieses Beziehungsaus gewesen sein könnte. Und wer ist das blondhaarige Mädchen in seiner Begleitung? Unzweifelhaft lassen sich diverse Ähnlichkeiten zwischen ihr und dem berühmten Schauspieler sehen. Ist Orlando Bloom also in Wahrheit bereits seit Jahren Vater eines süßen Mädchens? Und wenn ja, wieso hat er diese stets verheimlicht? Hat die kleine Tochter gar zu einer erneuten Beziehung zwischen Mutter und Vater beigetragen? Dürfen wir uns über weitere Geschwister im Hause Bloom freuen? Fragen, die wohl noch einige Zeit ungeklärt bleiben werden. Tatsache bleibt: Orlando Bloom ist liiert und tausenden von weiblichen Fans wurde das Herz gebrochen...
„Oh, scheiße!“ Orlando ließ sich mit einem Seufzen auf seinen Stuhl gleiten. Er vergrub seinen Kopf in den Händen und musste sich zusammenreißen, um nicht seiner Wut nachzugeben.
„Orlando Bloom!“, begann dann auf einmal seine Mutter zu meckern. „Ich verbiete es mir, dass du in diesen ehrbaren Haus fluchst!“ Streng funkelte Mrs. Bloom ihren Sohn an.
„Aber, Mum...!“, begehrte dieser sogleich auf und blickte seine Mutter unverstehend an. „Das ist absoluter Unsinn, was die davon sich geben! Du weißt ganz genau, dass ich mich nicht wegen einer anderen von Kate getrennt habe!“ Orlandos Augen funkelten ärgerlich und hektische rote Flecken zeichneten sich auf seinen Wangen ab.
Mrs. Bloom legte ihm eine Hand beruhigend auf die Schulter. „Das weiß ich doch, mein Liebling.“ Sie schenkte ihm ein liebevolles Lächeln und zerwuschelte ihm seine Haare. „Trotzdem solltest du nicht fluchen. Der Herr verbietet es!“ Orlando verdrehte die Augen und stieß ein abfälliges Schnaufen aus. „Und nun sei so lieb und erzähl mir, von wem dieser Zeitungsartikel da spricht...“, verlangte die gestrenge Britin. „Ich habe schließlich ein Anrecht darauf zu wissen, wer mein Enkelkind ist, nicht?“ Ein zugleich amüsierter wie auffordernder Blick traf Orlando...
------------------------------------------------
„Oh mein Gott...“ Anastasia war ganz blass geworden. Ihre Hände zitterten sachte und ihre Beine schienen sie nicht mehr tragen zu wollen. Die Deutsche begann zu taumeln.
„Setz dich, Schatz! Setz dich!“ Stan stand mit einem Mal neben ihr und führte sie zu einem nahen Tisch. „Du bist ja ganz blass...“ Besorgt strich er ihr über die Wange. „Soll ich dir ein Glas Wasser holen? Oder doch einen Tee?“ Sorge sprach aus Stans Stimme und Blick.
„Nein...nein...“ Anastasia stieß die angehaltene Luft mit einem Seufzen aus und fuhr sich fahrig durch die Haare. „Mir...mir geht es gut.“ Ihr schwindelte leicht. Der äußere Rand ihres Blickfeldes schien seltsam verschwommen und Stans Stimme klang seltsam hohl. Sie zuckte zusammen als sich eine warme Hand auf ihre Stirn legte.
„Schatz, du solltest dich hinlegen und ausruhen.“ Stan fuhr ihr mit der Hand erst über die Wange und ließ diese dann zu ihren Nacken wandern, wo er sie sachte zu massieren begann.
„Appunto! Genau, Ana müssen ausruhen.“, mischte sich da auch noch Luigi, der schlagartig ebenfalls ganz blass geworden war, in das Gespräch ein. „Luigi nicht wollten erschrecken Ana. Tun pesare, tun leid!“ Flink wuselte der kleine Italiener zum Tresen. „Machen Ana beste cioccolata wo gibt! Machen sie wieder fitt!“
„Aber...“ Anastasia blickte ein bisschen hilflos erst zu Stan und dann zu ihren Chef. „Es...es geht mir wirklich...gut.“ Sie blinzelte mehrmals, kniff die Augen fest zusammen. Dann entkam ein leises Stöhnen ihrer Kehle.
„Ruh dich aus, Ana...“ Sina war zu ihr heran getreten. Ernst und besorgt blickte die Braunhaarige zu ihr herunter. „Wir kümmern uns um den Laden. Keine Angst.“
„Ja, aber...“, wollte diese erneut aufbegehren, als ihr Stan ins Wort fiel: „Nichts aber!“ Ein strenger Blick traf sie. „Du ruhst dich gefälligst aus!“ Stan legte ihr fürsorglich einen Arm um die Schultern. „Komm, leg dich auf die Couch, okay...?“ Der junge Brite half Ana dabei sich auf zittrigen Beinen aufzurichten. „Es ist nicht weit. Stütz dich auf mi...“
„Ana, Telefon!“ Luna kam auf sie zugeeilt. Die junge Frau trug einen besorgten Schimmer in den Augen. „Es ist Wandas Direktorin...“
„Wandas Direkt...?“ Ein verwirrter Blick traf Luna und auf einmal schien Anastasia wieder hellwach zu sein. All ihre Sinne waren auf die junge Frau fokussiert.
Und Lunas Worten waren es, die ihr Ängste schürten und ihr Herz einen Schlag aussetzen ließ: „Ja, irgendetwas stimmt nicht mit Wanda...“
------------------------------------------------
Und...? Hat es euch gefallen? Ich muss sagen, dass ich mir speziell bei diesem Kapitel ein wenig unsicher bin. Liegt wohl vor allem an den Zeitungsartikel, denn diese konnte ich noch nie ausstehen bzw. ich lese sie eigentlich extrem selten...*seufz
Geschrieben von Jin am 25.05.2009 um 22:57:
Kapitel 38: Alles Chaos II
--------------------------------------
„Ja, irgendetwas stimmt nicht mit Wanda.“
Mit zwei großen Schritten war Ana bei Luna und entriss dieser ihr Handy. „Was ist passiert?! Ist alles okay mit Wanda? Geht es ihr gut?!!“ Fahrig fuhr sich die Fünfundzwanzigjährige durch die Haare und nervös ließ sie ihren Blick von hier nach dort wandern.
„Guten Tag, mein Name ist Mrs. Rupp.“, stellte sich die ältere Frau am anderen Ende der Leitung vor. „Gehe ich Recht in der Annahme, dass sie Mrs. Aren sind?“
„Ja... ja, natürlich!“, bestätigte ihr Ana sogleich, die ein deutliches Gefühl von Unbehagen in sich aufsteigen spürte. Selbst Stan schien zu spüren, dass irgendetwas passiert war, denn der junge Mann legte fürsorglich einen Arm um Ana und fuhr ihr sachte mit der linken Hand über den Oberarm. Der Blick, den er ihr schenkte, war von Sorge geprägt.
„Wunderbar.“ Die alte Frau räusperte sich. „Nun Mrs. Aren, ihre Tochter scheint einen...“ Kurz schwieg die Direktorin unbehaglich. „Nun ja, sie scheint einen Weinanfall bekommen zu haben...“
„Was?!“ Unwillkürlich war Ana dieses eine Wort entkommen. Es klang sowohl erschrocken wie auch verärgert. „Aber...aber wie konnte...konnte es denn dazu kommen?!“ Sie riss sich von Stan los und begann unruhig im Raum auf und ab zu gehen. Die besorgten Blicke ihrer Kollegen und ihres Chefs missachtete sie dabei geflissentlich.
„Der Grund ist mir nicht bekannt, Mrs. Aren.“, teilte die Direktorin ihr mit. „Ich würde sie allerdings bitten ihre Tochter schnellstmöglich abzuholen. Im Moment befindet sie sich bei meiner Sekretärin.“
„Ja...ja, natürlich! Ich komme sofort!“, versprach Ana und legte nach wie vor leichenblass und mit zitternden Händen auf. Kurz schloss sie ihre Augen, kniff sie ganz fest zusammen und atmete einmal tief durch. Dann...dann eilte sie ohne auch nur an ihren Mantel zu denken aus dem kleinen Cafe. Stans besorgte Rufe nahm sie ebenso wie die beißende londoner Kälte nicht wahr....
---------------------------------------------
„...und nun bin ich also hier bei dir, Mum.“, beendete Orlando seinen Bericht über seine neue londoner Bekanntschaft.
Familie Bloom hatte sich zu einer kleinen Krisensitzung in der Küche zusammengefunden. Die leeren Tassen und der blitzblanke Keksteller standen vor ihnen und im Hintergrund trällerte leise Rockmusik aus dem Radio. Sidi wiederum hatte sich zu Orlandos Füßen niedergelassen und schmiegte sich vertrauensvoll an sein Herrchen. Hin und wieder stieß der Rüde einen Seufzen aus oder stupste Orlando auffordernd mit der feuchten Schnauze an. Die Keckskrümel auf den Boden zeugten davon, dass auch der Hund von Mrs. Bloom mit dem einem oder anderen weihnachtlichen Gebäck bedacht worden war. Wobei ganz besonders die Vanillekipferle es dem schwarzen Mischling angetan hatten...
„Meinst du nicht, dass du Ana wenigstens einmal anrufen solltest...?“, unterbrach schließlich Sam die angespannte Stille. „Fragen, wie es ihr geht und so?“
Ihr Bruder zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht.“, gestand er seiner Schwester. „Weißt du, ich habe ihr geraten am Besten die Finger von Zeitungen zu lassen und wenn ich sie nun anrufe und zu offensichtlich auf den Zeitungsartikel zu sprechen komme, wird sie ihm am Ende doch noch lesen!“ Er zuckte mit seinen Schultern und schenkte seiner Schwester einen von Hilflosigkeit geprägten Blick. „Die Sache mit dem Reporter war schon nervenaufreibend genug für sie.“ Sorge klang in der Stimme des jungen Mannes mit und ein Seufzen verließ seine Kehle.
„Das wird schon wieder, mein Lieber.“ Mrs. Bloom tätschelte fürsorglich die Hand ihres Sohnes und schenkte ihm einen aufmunternden Blick. „Du wirst schon sehen.“
„Ja, irgendwann schon, aber...“ Orlando geriet ins Stocken, fuhr sich fahrig durch die Haare und war mit einem Satz aufgesprungen. „Aber ich mache mir nun einmal jetzt Sorgen um die beiden!“ Nervös durchmaß der junge Mann die kleine Küche. Hier und da blieb er stehen, nahm Dinge in die Hand und stellte diese anschließend, ohne sie richtig angesehen zu haben, wieder zurück an ihren Platz.
„Dann ruf sie doch einfach an!“, mischte sich Sam, die leicht genervt die Augen verdrehte, in das Gespräch ein. „Du musst ja nicht unbedingt mit den Finger auf den Zeitungsartikel zeigen! Benutze doch einfach irgendeinen Vorwand und erkundige dich nach ihrem allgemeinen Wohlbefinden...“, schlug die junge Frau ihrem Bruder vor.
„Einen Vorwand...?“ Abrupt war Orlando stehen geblieben. Er blickte seine Schwester zugleichermaßen erstaunt und fragend an.
Diese jedoch nickte mehrmals energisch. „Ganz einfach, Brüderchen. Du sagst ihr einfach zum Beispiel, dass du dein Armband bei ihr vergessen hast und erkundigst dich danach nach ihrem Wohlbefinden...“
------------------------------------------------
Schrilles Autohupen, quietschende Reifen, stinkende Abgase, lautes Gemecker und Gefluche. So sah das vorweihnachtliche London heute aus. Immerzu wurde man angerempelt, immerzu beiseite gedrängt. All dies geschah natürlich ohne ein Wort der Entschuldigung. Menschen eilten einfach über die übervollen Straßen, schlängelten sich durch die stehenden Autos hindurch oder quetschten sich geradeso noch zwischen zwei gnadenlos zu schnell fahrenden Autos hindurch. In weiter Fern erscholl das Martinshorn...
Anastasia wäre wohl empört gewesen über den jungen Mann, der an einer Gruppe Schulkinder vorbei über die rote Ampel eilte, wäre nicht auch sie heute eine dieser rücksichtslosen Personen gewesen. Ohne rechts und links zu schauen bahnte sie sich einen Weg durch die Menschenmaßen und trennte hier und da mit den Ellbogen eine Gruppe voneinander. Das Gefluche und die bösen Blicke, die ihr folgten, bemerkte sie nicht.
Ihr Blick war starr geradeaus gerichtet. Ihre Lippen hatte sie zu einem schmalen Strich zusammengepresst und ihre Haltung war angespannt und verkrampft. Sorge sprach aus ihrem Blick und hin und wieder entfuhr ihr unwillkürlich ein Fluch.
Als ihr Handy schließlich zu klingeln begann, bemerkte sie es erst einmal gar nicht. Das muntere Bimmeln ging im londoner Lärm schlichtweg unter. Erst als sie eine abseits gelegene Seitenstraße betrat, konnte sie das Klingeln zuordnen...
Schlagartig erstarrte sie im Schritt. Ihre Hand war unwillkürlich zu ihrer Hosentasche gewandert, in der sich ihr Handy befand. Dann verharrte sie jedoch kurz und musste schlucken. Mit einem unguten Gefühl in der Magengegend nahm sie jedoch schließlich das Gespräch entgegen.
„Ja?!“, meldete sie sich zu Wort ohne zuvor auf die angegebene Telefonnummer geblickt zu haben. Ihre Augen hielt sie unbewusst geschlossen und sie fuhr sich mit der Hand über das Gesicht.
„Hallo Ana, ich bin es Jonathan. Ich wollte nur fragen, ob du zufälligerweise mein Armba...“, fing Orlando an sich zu erklären, wurde jedoch abrupt von Anastasia unterbrochen: „Jonathan!“ Erleichtert entwich ihr die Luft. „Gott, gut das du es nur bist!“
Kurz herrschte Schweigen am anderen Ende der Leitung. Schließlich ertönte ein Räuspern. „Ähm, ja nur ich...“ Verwirrt blinzelte Orlando mit den Augen. Dann erholte er sich von der Verwunderung und fragte die Deutsche: „Ist was passiert...? Geht es dir gut...? Du klingst irgendwie...“ Er geriet ins Stocken, zuckte mit den Schultern.
„Tut mir Leid, ich kann jetzt nicht!“, würgte ihn jedoch Ana ab, die bereits wieder ihren Weg aufgenommen hatte. Schnellen Schrittes eilte sie die kleine Straße entlang. Ihre Absätze klapperten rhythmisch über die Kopfsteinpflaster. „Ich meld mich später. Tschüss!“ Und damit legte sie auf...
---------------------------------------------------
„Ana...? Ana?!“ Orlando starrte sprachlos sein Handy an. Was war denn das gewesen? Er schüttelte den Kopf und ließ sich mit einem Seufzen am Küchentisch nieder. „Das war wohl eindeutig eine Abfuhr...“, gab er leise murmelnd von sich und vergrub seinen Kopf anschließend in seinen Händen. Ein weiteres Seufzen entkam seiner Kehle.
„Was hat sie denn gesagt...?“ Sam schenkte ihrem Bruder einen ratlosen Blick. „Ich mein, das waren doch keine fünf Sekunden Gespräch, oder?!“ Sie schenkte ihrer Mutter einen hilflosen Blick.
„Na also eigentlich nichts!“ Orlando blickte erst seine Mutter und dann seine Schwester an. „Sie meinten einfach, dass sie jetzt keine Zeit hat und...“ Hier geriet der junge Brite ins Stocken. „Und sie klang irgendwie...“ Er runzelte die Stirn, dachte angestrengt nach. „Na ja, sie klang besorgt und ängstlich.“
„Besorgt und ängstlich...?“ Mrs. Bloom merkte auf. „Das arme Kindchen!“ Sie tätschelte ihrem Sohn mütterlich die Hand. „Nicht, dass sie sich zu viele Sorgen wegen der ganzen Sache macht.“ Ein besorgter Blick traf Orlando. „Ruf sie lieber nachher noch einmal an und wenn es ihr nicht besser geht bis dahin, solltest du sie besuchen fahren...!“
--------------------------------------------------
„Mein Dad will mich nicht! Ich will einen Dad!“ Weinend und total aufgelöst krallte sich Wanda an den Pullover ihrer Tante fest und schmiegte ihr tränenverschmiertes Gesicht an die Schulter Anas. Ihrer Kehle entkamen hysterische Schluchzer, die nur unterbrochen wurden von klagenden Ausrufen des Kummers.
Kaum, dass Anastasia das Sekretariat betreten hatte, hatte sich das kleine Mädchen in die Arme ihrer Tante geflüchtet und klammerte sich nun verzweifelt an dieses kleine Stückchen Nähe, diese bedienungslose Liebe, die ihr von Ana zuteil wurde.
„...will mich nicht...weggegeben!“, drang es zwischen den dicken Pulli seltsam verzerrt hervor. „Neuen Dad...“
Anastasia wiederum war völlig verzweifelt. Sie wiegte Wanda in ihren Armen, fuhr dem Mädchen immer wieder über den blonden Schopf und hauchte ihr vereinzelte Küsse auf die Stirn. Während all dessen sprach sie beruhigend auf die Kleine ein, auch wenn ihre Worte nicht bis zu Wanda vorzudringen schienen. Die Sorge und die Hilflosigkeit zerrten an den Nerven der Fünfundzwanzigjährigen. Dieser Ausbruch Wandas kam für sie so unerwartet, so schockierend in all seiner Kraft...
„Schhh, Liebes. Nicht weinen, nicht weinen...“ Ana presste den kleinen Körper enger an sich, wiegte ihn in ihren Armen. „Schhh, Liebes...“
Aber Wanda gab weiter gestammelte Worte von sich, krallte ihre Finger fest in den dicken Stoff des Pullovers und ließ ihre Tränen in Strömen über ihre Wange fließen. Sachte wiegte sie sich hin und her und suchte die tröstende Wärme ihrer Tante. „...will nicht...Dad!“ Ein feuchter Fleck breitete sich auf den Pullover aus, fing er doch jede einzelne Träne des kleinen Mädchens auf. Die sonst so fröhlichen Augen waren ganz rot geworden und fahl vor Kummer...
„Liebes, bitte...!“ Verzweiflung schwang in Anas Stimme mit. „Wein doch nicht mehr...bitte!“ Anastasia selbst war inzwischen den Tränen nahe. Ihre Augen brannten verdächtigt und sie stieß ein Schniefen aus. „Liebes, nicht weinen! Nicht weinen!“ Auch sie schmiegte sich nun an ihre Nichte, drückte ihre Wange auf den Schopf des Mädchens, während sich stumm eine einzelne Träne aus ihren Augen löste...
Und endlich...endlich war es vorbei. Der zuvor eiserne Griff von Wandas kleinen Händen gab nach, die hysterischen Schluchzer wichen leisen Wehlauten und die Worte erstarben ihr gar ganz auf der Zunge.
Nun gärte die Trauer nur noch tief im Herzen des kleinen Mädchens...
-----------------------------------------------
Die Haustür öffnete sich mit einem lauten Knarren und wurde mit einen weiteren Scheppern geschlossen. Knarrend gaben die alten Holzstufen unter den schweren Schritten einer einzelnen Person nach, die auf einen Treppenabsatz eine Pause einlegte.
„Na nu...?“ Ein Kopf lugte aus einer Wohnungstür. „Stimmt was mit Wanda nicht...?“ Die besorgte Frau Brie betrat den Flur. Mit ein, zwei Schritten war sie bei Tante und Nichte angekommen.
„Es ist wegen ihrem Dad und ihrer Mum.“ Ana lehnte sich gegen eine Wand und stützte Wanda mit einem Knie ab. Ihre Arme schienen inzwischen Zentner zu wiegen, aber sie hatte es trotz allem nicht gewagt das kleine Mädchen zu wecken, das inzwischen in einen erschöpften Schlaf gefallen war. „Was genau vorgefallen ist, weiß ich nicht, aber sie hat ziemlich geweint.“ Noch immer barg Anas Stimme einen Hauch der Verzweiflung und Angst, die sie zuvor verspürt hatte.
„Oh je!“ Frau Brie strich dem schlafenden Mädchen liebevoll über den Schopf. Dann übernahm die mütterliche Seite in ihr die Oberhand. „Ab ins Bett mit dem Mädel!“, bestimmte sie energisch. „Sie braucht jetzt viel Ruhe.“ Dann schenkte sie Anastasia einen beruhigenden Blick. „Keine Angst, ein bisschen Schlaf und später ein Stück von meinen besten Schokoladenkuchen mit einer warmen Tasse Kakao wirken Wunder bei so was...!“
„Danke, Frau Brie.“ Die Jüngere schenkte der Älteren einen dankenden Blick. „Ich wüsste manch einmal wirklich nicht, was ich ohne Sie machen würde...“
„Ach, Kindchen...“ Frau Brie tätschelte Ana die Wange und forderte sie dann mit einer Geste auf in ihre eigene Wohnung zu entschwinden, damit Wanda endlich ins Bett kam. „Mir macht das doch alles unglaublich Spaß! Du weißt gar nicht, wie einsam es in so einem großen Haus sein kann...“ Ein trauriges Seufzen entkam der Alten. „Aber nun seid ihr ja hier!“ Strahlend lächelte sie die Deutsche an. „Und nun husch, husch! Ab ins Bett mit unseren wirren Blondschopf!“
Ana stieß ein Lachen aus. „Sofort!“ Mit einem letzten Kopfnicken wandte sie sich von der alten Frau ab...
----------------------------------------------------------------------
Hast du noch Zeit für ein Review?
Geschrieben von grassolini am 26.05.2009 um 13:32:
schöööööön. Mal gespannt, was jetzt passiert.
Geschrieben von Jin am 01.06.2009 um 22:25:
Kapitel 39: Alles Chaos III
-------------------------------------------------------------
Anastasia stieß ein Seufzen aus und goss sich heißes Wasser in eine Tasse. Anschließend schlossen sich ihre kalten Hände um das wärmende Gefäß. Dann lehnte sie sich müde auf der Couch zurück und legte ihre Füße auf einen Kissenstapel ab. Erneut entkam der jungen Frau ein Seufzen und ihre Augen schlossen sich langsam von ganz allein.
Im Fernsehe lief irgendeine Soap, deren Protagonisten unaufhörlich plapperten und lautes, gespielt munteres Gelächter ausstießen. Ana verleitet dies dazu, zaghaft ein Auge zu öffnen und die Nase zu rümpfen. Sie langte nach der Fernbedienung und schaltete um. Auf diese künstliche Fröhlichkeit hatte sie jetzt nun wirklich keine Lust...!
Dann, nachdem sie einen passenden Sender gefunden hatte, schloss sie erneut die Augen und ließ ihren Kopf auf ein Kissen sinken. Sie streckte sich leicht und gab ein Seufzen von sich. Müdigkeit war ihr in die Knochen gekrochen und ihre Augen brannten bereits ob der Anstrengungen des Tages…
Das leise Bimmeln ihres Handys nahm sie darum erst auch gar nicht wahr. Zudem der Klingelton beinahe unterging zwischen den Stimmen des Moderators und seiner Kollegin. Als Ana es schließlich jedoch doch noch wahrnahm, angelte sie immer noch mit geschlossenen Augen nach dem kleinen, schwarzen Ding und nahm das Gespräch mit einem müden ‚Mmmh?’ entgegen.
„Ana, ich bin es noch einmal. Jonathan.“, meldete sich der Anrufer zu Wort.
Anastasia wiederum richtete sich leicht auf. Ein Stöhnen ausstoßend gelangte sie schließlich in eine sitzende Position. „’allo.“ Sie musste mehrmals blinzeln, versuchte so die Müdigkeit zumindest kurzfristig abzuschütteln.
„Hast du geschlafen…?“ Orlando runzelte verwirrt die Stirn und ließ seinen Blick zur Uhr gleiten, die noch nicht einmal den frühen Abend anzeigte.
„Nei....“ Ein Gähnen entkam Anastasias Kehle. „...n.“ Sie streckte sich und fuhr sich mit der freien Hand über das Gesicht. „Bin nur ein bisschen müde.“, gab sie leise nuschelnd von sich, was Orlando ein kleines Lächeln entlockte.
„So klingst du ehrlich gesagt auch...“, pflichtete er ihr bei und fügte dem noch hinzu: „Geht es dir gut…? Du klangst eben so...“ Er stockte, runzelte die Stirn. „Na ja, du klangst so besorgt und ängstlich!“ Sichtliche Sorge klang in der Stimme des jungen Briten mit.
Orlando hatte sich in den Garten begeben, denn die Anwesenheit seiner Schwester und seiner Mutter hatten ihn nur noch nervöser werden lassen. Hier im Garten bei Sidi war es ihm hingegen möglich sich vollkommen auf Anastasia zu konzentrieren.
Der jungen Deutschen entkam ein Seufzen. „Ja, das war ich auch.“, pflichtete sie ihm bei.
Kurz breitete sich Schweigen zwischen ihnen aus. Anastasia wollte nicht so Recht über ihre Ängste und Sorgen sprechen und Orlando behagte es nicht vielleicht unangenehme Fragen zu stellen, die eine schmerzhafte Wunde erneut aufreißen würden.... Schließlich rang er sich aber doch dazu durch zaghaft nach dem Grund ihrer Sorgen zu fragen: „Was ist denn passiert…? Wanda und dir geht es doch gut, oder?!“
„Na ja, es ist...“ Anastasia geriet ins Stocken. „Wanda...“ Eine erneute Pause erfolgte. Dann räusperte sie sich und fuhr bestimmt fort: „Wandas Direktorin hat mich angerufen und gebeten sie von der Schule abzuholen.“
„Was?!“, entfuhr es Orlando unwillkürlich. „Wieso denn das?!“ Sidi, der zuvor noch seelenruhig an sein Herrchen geschmiegt gedöst hatte, hob ruckartig seinen Kopf an. Verschlafen blickte er sich im Garten um und versuchte den Grund für die Aufregung seines Herrchens auszumachen. Als er jedoch nichts fand, wandte er sich mit einem vorwurfsvollen Blick Orlando zu. ‚Was soll denn das Geschrei?!’ schien er mit ihm sagen zu wollen. ‚Hier schlafen schließlich Leute!’
Orlando indes fuhr dem Hund nur einmal kurz beruhigend über den Kopf. Weiter nahm er den schwarzen Mischling nicht wahr.
„Ach, es ist...wegen ihren Vater.“, erklärte Ana dem Briten vage. Sie stieß ein Seufzen aus und nahm einen Schluck von ihren inzwischen nur noch lauwarmen Tee. „Hin und wieder hat sie das.“, fügte sie dem noch hinzu.
„Hat sie was…?“, wollte Orlando wiederum wissen, der immer noch sichtlich ratlos war.
Ana zuckte mit den Schultern. „Dass sie traurig darüber ist, dass ihr Vater sie nicht haben wollte.“
Erneut baute sich Schweigen zwischen ihnen auf. Orlando kaute unruhig auf seiner Unterlippe und fuhr rhythmisch mit der linken Hand über den Rücken seines Hundes. Er merkte Anas Tonfall an, dass die junge Frau nun nichts mehr über das Geschehene berichten wollte. Dennoch kam er aus Sorge nicht umhin noch eine weitere Frage zu stellen: „Und wie geht es Wanda inzwischen…? Hat sie...Geht es ihr wieder gut…?“
„Mmmh.“ Die junge Deutsche nahm einen weiteren Schluck ihres Tees. „Sie schläft inzwischen, war ganz erschöpft vom vielen Weinen.“ Mit der Hand fuhr sie sich durch die Haare. „Morgen wird sie noch ein bisschen traurig sein und ein bisschen still, aber danach wird es schon wieder.“ Ein Seufzen folgte diesen Worten.
Auch Orlando entkam ein Seufzen. Seines zeugte von sichtlicher Erleichterung. „Gut.“ Mit einem Satz war der junge Mann auf den Beinen, was ihm erneut einen mürrischen Blick seitens Sidis einbrachte. „Ich ruf sie morgen einmal an, ja?“, schlug er Ana vor. „Gleich nachdem ich in L.A. gelandet bin.“
„Ja, natürlich.“ Ein schmales Lächeln zeichnete sich auf Anastasias Gesicht ab. „Das wird ihr sicher sehr gefallen!“ Die junge Deutsche runzelte ihre Stirn. „Was machst du denn in den USA…? Irgendetwas Besonderes?“
„Ach, nur ein paar Interviews und ein paar...“ Beide schäkerten noch ein bisschen rum und vermieden es tunlichst ernste Themen auch nur zu streifen. Orlando fühlte einen kleinen Stich von Unbehagen, denn diese Fröhlichkeit wirkte seltsam aufgesetzt, aber nichtsdestotrotz versuchte er seine londoner Bekanntschaft bestmöglich aufzumuntern...
-------------------------------------------------------------------
Es war später Abend in London und für Wanda somit schon längst Schlafenszeit. Das kleine Mädchen war an diesen Tag seltsam still und in sich gekehrt gewesen. Manch einmal hatte sie mit glasigem Blick aus dem Fenster gestarrt oder sich auf der Couch zu einer kleinen Kugel zusammen gerollt. Am auffallendsten war jedoch gewesen, dass sie stets die Nähe ihrer Tante gesucht hatte.
Sie hatte nicht zur Schule gewollt, hatte die Tante solange mit ihren kleinen Ärmchen umklammert und ihr Gesicht in die tröstende Umarmung gedrückt, bis diese nachgegeben hatte. Aber auch danach noch hatte sich der blonde Wirrschopf nicht weit von Ana entfernt und immer wieder ihre körperliche Nähe gesucht. Anastasia war Wandas Anker in der tosenden Flut der Gefühle an diesem Tag.
Auch jetzt wollte das Mädchen nicht allein sein. Stattdessen kuschelt sie sich eng an ihre Tante und vergrub ihr Gesicht an deren Halsbeuge. Ihre kleinen Ärmchen hatten sich indes um ihren Hals und die Füße um die Hüften geschlungen.
„Will nicht ins Bett!“, gab sie leise murrend von sich, während sie ihren Griff um Ana nur noch verstärkte.
Diese wiederum stieß ein müdes Seufzen aus. „Liebes, du musst aber ins Bett.“, widersprach sie ihrer Nichte mit Nachdruck in der Stimme. „Immerhin ist morgen wieder Schule und da musst du ausgeschlafen sein.“ Sie drückte dem blonden Wirrschopf einen liebevollen Kuss auf. Ihre Hand fuhr beruhigend indes immer wieder beruhigend über den kleinen, zerbrechlichen Rücken.
Wandas Antwort bestand aus einem weiteren weinerlich anmutenden ‚Will nicht!’. Die Schultern des Mädchens verkrampften sich bei den Gedanken daran allein in ihrem dunklen Zimmer liegen zu müssen. Es waren nicht so sehr die so oft von Kindern für schauderhaft gehaltenen Nachtgeräusche, die ihre Abneigung gegen das Zubettgehen hervorriefen, sondern viel mehr der Gedanke daran vollkommen allein zu sein. Allein und verlassen von allem…
„Will nicht!“, gab sie erneut schniefend von sich, während ihre Schultern verdächtigt zu zucken begannen.
Anastasia stockte kurz in ihren streichelnden Bewegungen und stieß dann ein Seufzen aus. „Willst du dann bei mir schlafen, Liebes…?“ Es war lange her, dass das Mädchen zuletzt die Nacht bei seiner Tante verbracht hatte. Natürlich, morgendliche Weckspielchen oder ein gemeinsames Frühstück im Bett gab es auch heute noch, aber eigentlich war Wanda inzwischen daran gewöhnt alleine zu schlafen.
Nichtsdestotrotz stimmte sie ihrer Tante nun mit energischem Nicken bei. „Oh ja, bitte!“ Sie hob ihren Kopf an und schenkte der Fünfundzwanzigjährigen ein strahlendes Lächeln. „Das wäre toll!“ Und ehe sich Anastasia versah, war Wanda bereits von ihrem Schoss gesprungen und aus dem Wohnzimmer geeilt. „Ich zieh mich schon einmal um!“, hörte die Deutsche es nur noch aus dem Kinderzimmer gedämpft zu ihr herüber hallen. Sie stieß ein weiteres Seufzen aus. Nun gut, dann würde sie heute Nacht mal eben wieder frieren, wenn das kleine Biest ihr scheinheilig die Decke entwand und ihr auch noch das Kissen mopste…!
------------------------------------------------------------------
„Bist du fertig, Liebes?“ Anastasia stand in ihrer Schlafzimmertür und schenkte Wanda, die kurz zuvor an ihr vorbeigehuscht war einen fragenden Blick.
Diese nicht eifrig. „Jupsa, bin ich.“ Und schon kroch die Kleine unter die Bettdecke, wobei sie ihren getreuen Begleiter, den schwarzen Stoffsidi, fest in den Armen hielt. „Kommst du…?“
Anastasia schüttelte jedoch verneinend den Kopf. „Gleich, Liebes. Ich gehe nur noch schnell duschen, okay…?“ Wanda verzog das Gesicht zu einem traurigen Flunsch, was ihre Tante wiederum zum lachen brachte. „Dauert nur fünf Minuten, Liebes. Mach es dir schon einmal bequem, okay…?“
Seufzend gab Wanda nach. „Na gut.“ Sie schmiegte ihre Wange an ein Kissen. „Beeil dich aber!“, verlanget sie frech und setzte dem noch drohend hinzu: „Und wehe du bist in fünf Minuten nicht hier!“
---------------------------------------------------------------------
Ein helles Klingen hallte durch die abgedunkelte, londoner Dachwohnung. Wanda, die bereits ein bisschen gedöst hatte, richtete sich leicht schlaftrunken auf die Ellbogen auf und ließ ihren Blick durch das Zimmer gleiten. Als sie schließlich das blinkende Telefon bemerkte, sprang sie mit einem Satz aus dem Bett. „Ich geh ran!“, rief sie laut, denn das Wasserrauschen aus dem Badezimmer verriet ihr, dass ihre Tante noch am duschen war: Ein Blick auf die Uhr verrieten ihr zudem, dass bei weitem mehr als nur fünf Minuten vergangen waren! Wanda gab ein Grummeln von sich. Typisch Ana!
„Familie Aren, Wanda am Apparat.“, meldete sie sich gut erzogen am Telefon zu Wort und sogleich scholl ihr ein warmes Lachen entgegen.
„Hallo, Kleines. So artig kenne ich dich ja gar nicht!“
„Jonathan!“ Wanda begann zu strahlen. Aufgeregt begann sie durch das Zimmer zu hüpfen. Ihren Stoffhund schleifte sie dabei gnadenlos hinter sich her.
„Na du Nachteule…? Noch nicht am schlafen?“ Orlando hatte vor kaum zwei Minuten die Wohnungstür zu seinem Haus in L.A. aufgeschlossen. Auf den Flug hatte er nur wenig schlafen können, sodass er nun vollkommen erschöpft war. Nichtsdestotrotz wollte er sein Versprechen gegenüber Ana halten und hatte sich zu diesem Anruf durchgerungen. Insbesondere deswegen, weil er sich Sorgen um seine jüngste Freundin machte.. Als er nun aber Wandas Stimme vernahm, konnte er sich ein erleichtertes Aufatmen nicht ganz verkneifen. Der Kleinen schien es deutlich besser zu gehen...
„Nö, ist doch noch früh!“, behauptete Wanda indes keck, die sich mit einem Plumpser auf das Bett fallen ließ und alle Viere von sich streckte. „Ich bin doch kein Baby mehr!“ Sie rümpfte die Nase. „Ich bin schon groß!“
Orlando stieß ein Lachen aus. „Natürlich bist du das.“, pflichtete er ihr bei und wäre er bei ihr gewesen, hätte er ihr in diesem Moment wohl einmal über den wirren Schopf gestrichen und ihr anschließend einen Kuss auf die Wange gedrückt. „Kleines...“ Orlando stockte kurz. „Geht es dir wirklich gut…? Ich mein...“ Wieder geriet er ins Stocken. „Ich mein wegen gestern...“
Stille. Schlagartig hatte sich Wanda verkrampft. Das kleine Mädchen schloss die Augen ganz fest und lag einfach nur da. Atmete in großen Zügen die Luft ein und aus und lauschte dem fernen Wasserrauschen. Und Orlando...Orlando wollte sich indes am liebsten selbst verfluchen. Er hatte gewusst, dass seine Worte falsch waren, kaum das er sie angesprochen hatte. Aber davor hatte er es nicht einmal geahnt....
„Kleines, tut mir leid!“ Schuldgefühle klangen in Orlandos Stimme mit. „Ich hätte...hätte dich nicht danach fragen dürfen!“ Er senkte betrübt den Kopf, rieb sich die brennenden Augen. „Kleines…?“
„Mmmh.“ Wanda nahm kaum wahr, was ihr großer Freund von sich gab. Ihre Gedanken drehten sich einzig und allein um die Vergangenheit. Gefühle der Einsamkeit, der Trauer und der Angst stiegen in ihr hoch und eine kleine Träne löste sich aus ihren Augenwinkel...
„Liebes, bitte! Rede doch mit mir!“ Langsam spürte Orlando Verzweiflung in sich aufsteigen. Er hörte Wanda schniefen, hörte diese vereinzelten Wimmerlaute und fühlte sich schlichtweg hilflos und überfordert. „Wein doch nicht, Liebes. Schhhh, schhhh.“ Unruhig begann Orlando in seiner Wohnung auf und ab zu gehen. In seinem Gedächtnis forschte er indes danach, wie seine Mutter mit ihm umgegangen war, als er als kleines Kind in Tränen ausgebrochen war, aber wie so oft fiel ihm in dieser Notsituation die richtige Lösung nicht ein. Er merkte, dass er noch weit, weit davon entfernt war ein richtiger, geschweige denn ein guter Vater zu sein...
„Er...er wollte mich nicht.“, gab Wanda schließlich immer wieder von Schluchzern unterbrochen von sich. „Er hat...hat mich nicht...nicht geliebt!“ Weinend vergrub das Mädchen ihren Kopf im Kissen. Ihre kleinen Händchen waren zu Fäusten geballt und die Fingernägel gruben sich tief in das zarte Fleisch…
„Liebes, schhhh. Wein doch nicht!“ Auch jetzt noch drangen Orlandos Worte nicht zu dem Mädchen vor und Orlando fühlte mehr und mehr die Verzweiflung in sich aufsteigen. „Kleines, es wird alles gut! Ana liebt dich doch! Sie liebt dich über alles!“, versuchte er auf das Mädchen einzureden. „Und ich mag dich und Sidi und Kathy und...und Stan! Sie alle mögen dich!“
„Aber mein Dad...“, widersprach Wanda dem Briten mit weinerlicher Stimme. „Mein Dad liebt...liebt mich nicht!“ Tränen kullerten über die blassen Wangen, die roten Augen brannten und dem kleinen Mund, der sonst so oft zu einem Lächeln verzogen war, entkamen immer wieder Schluchzer. „Er liebt mich nicht!“
„Ach, Kleines...“ Orlando stieß ein Seufzen aus. „Du wünschst dir so sehr einen Vater, der dich liebt, nicht?“ Verständnis sprach aus der Stimme des jungen Mannes. „Mein Dad ist ganz früh gestorben, weißt du? Ich habe ihn lange Zeit sehr vermisst...“ Ein erneutes Seufzen entkam Orlandos Kehle. „Weißt du, wenn...“ Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare, rieb sich über den Nacken. „Wenn du willst, dann kann ich ja dein Ersatzpapa sein, ja…? Solange wie du keinen richtigen hast, okay?“
„Ersatz...“ Wanda hickste. Vor lauter Weinen hatte sie Schluckauf bekommen. „Ersatzpapa…?“ Ein Funke von Hoffnung schwang in diesem einen Wort mit. Ein erster Schimmer von Freude.
„Ja, Ersatzpapa.“, pflichtete Orlando ihr bei. „Wann immer ich kann, werde ich mich um dich kümmern. Versprochen!“, erklärte er dem Mädchen eindringlich.
Wanda schwieg kurz. Dachte über Orlandos Worte nach. „Können...können wir dann im Park spazieren gehen...?“ Wandas Stimme klang ganz leise, war voller Zweifel. „Und können...können wir dann ins Kino gehen...?“
„Aber natürlich, Liebes. All das können wir machen und viel, viel mehr noch.“, versicherte ihr Orlando, der sichtlich erleichtert war über diese gute Wendung des Gespräches.
Und Wanda, die aus diesen Worten Hoffnung schöpfte, fragte weiter: „Gehst du dann mit mir und Kathy Schlittschuhlaufen…? Und lädst du uns danach zu Mc Donalds ein?! Und...und...“ Wandas Augen begannen an dieser Stelle strahlend zu leuchten, während ihr Gesicht ein vorfreudiges Lächeln zierte. „Und schenkst du mir einen Hund?!“
„Einen Hund…?“ Zweifel schwangen in Orlandos Worten mit. „Na ja, einen Hund wohl eher nicht, aber vielleicht einen Hamster, wenn deine Tante ja sagt, okay?“
Wanda verzog erst den Mund zu einem Schmollen, dann gewann jedoch die Freude in ihr die Überhand. „Ich will aber keinen doofen Hamster!“ Energisch nickte die Kleine. „Ich will einen Hasen!“
Orlando stieß ein Lachen aus. „Na gut, dann halt einen Hasen.“ Er schwieg kurz, goss sich ein Glas Wasser an. „Was willst du denn für einen haben, mmh…?“
„Mmh.“ Wanda runzelte die kleine Stirn und fuhr sich mit dem Zeigefinger nachdenklich über das Kinn. „Einen Schwarzen mit weißen Pfoten und einen weißen Punkt auf der Nase!“, sagte sie dann und setzte dem noch hinzu: „Und mit Schlappohren! Die sind viel süßer als die mit stehenden!“ Die Kleine nickte mehrmals energisch. „Und vielleicht könnt ich dann ja noch einen Grauen haben. Mit einen lustigen...“
„Einen Grauen was…?“ Anastasia hatte das Zimmer betreten. Ihre handtuchtrockenen Haare waren zu einem Zopf geflochten und sie trug ein übergroßes T-Shirt. Geradeeben legte sie ihren Schmuck auf den Nachttisch ab und setzte sich neben ihrer Nichte auf das Bett. „Solltest du nicht schon längst schlafen statt hier zu telefonieren?“ Ein vorwurfsvoller Blick traf die Kleine und Ana hob die Bettdecke an. „Los, ab unter die Bettdecke mit dir!“
Und Wanda folgte der Aufforderung. Sie kuschelte sich eng an ihre Tante, die sich neben sie legte und schlang die kleinen Arme um die Hüften der Älteren. „Jonathan…?“, wandte sie sich dann wieder ihren großen Freund zu.
„Mmmh was ist, Liebes…?“, entgegnete Orlando, der der leisen Unterhaltung gelauscht und sich selber auf die Couch hatte fallen lassen.
„Kannst du mir nicht eine Geschichte erzählen…?“, bat Wanda. „Eine Gutenachtgeschichte?!“
„Eine Gutenachtgeschichte…?“ Orlando runzelte die Stirn. „Na gut, hör zu...“ Er räusperte sich. „Es war einmal...“
„Stell den Lautsprecher ein.“, mischte sich da auf einmal Anastasia in das Gespräch ein. „Ich will auch zu hören.“ Sie fuhr ihrer Nichte über den Schopf und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange. Wanda befolgte die Anweisung.
„Kann ich jetzt…?“, meldete sich dann Orlando nochmals zu Wort und Wanda bejahte die Frage. „Gut, also hört zu. Es war einmal vor langer, langer Zeit da lebte ein kleiner Junge mit seiner Großmutter in einem kleinen Waldhäuschen.“ Wanda schmiegte sich dichter an ihre Tante und vergrub den Kopf an der Brust der geliebten Person. „Beide führten ein ruhiges und beschauliches Leben. Sie lebten von dem, was der Wald ihnen schenkte und fischten in den Flüssen. Eine alte Kuh leistete ihnen ebenso Gesellschaft wie auch eine schnatternde Gans und ein miesepetriger Kater.“
Wandas Augenlieder wurden ganz schwer. Ihr Atem kam immer langsamer und bleierne Müde breitete sich in ihren Knochen aus. „Eines Tages jedoch geschah es, dass ein Fremder seinen Weg zu dem kleinen Haus im Wald fand. Er war furchtbar hungrig und müde, denn er hatte sich hoffnungslos im Wald verlaufen...“ Auch Ana spürte die Müdigkeit nun. Sie schloss ihre Augen und lauschte Orlandos Worten nur noch mit halbem Ohr. Eine angenehme Schwere legte sich über ihren Körper…
„Die Alte und der Junge nahmen den Mann wohlwollend auf. Sie gaben ihn zu Essen und ließen ihn in ihren Bett schlafen.“ Wanda war eingeschlafen. Einzig ihre tiefen Atemzüge waren noch zu vernehmen... „Und als der Mann ausgeruht am nächsten Morgen erwachte, da baten sie ihm im Gegenzug von der Welt fernab ihres Waldes zu erzählen, denn der kleine Junge hatte seine Heimat bisher nicht verlassen und die alte Frau erinnerte sich kaum noch an diese ihr fremde und beinahe mystisch anheimelnde Außenwelt.“
Und auch Ana schlief nun, sodass Orlando schließlich mit einem Lächeln auf den Lippen auflegen konnte. So schnell konnte man also Vater werden...
-----------------------------------------------------
Hast du noch Zeit für ein Review?
Geschrieben von grassolini am 02.06.2009 um 13:42:
:geb1 Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr!
Wieder sehr schön geschrieben.Man konnte sich richtig mir hinein versetzen.
Geschrieben von Jin am 08.06.2009 um 21:03:
Kapitel 40: Advent, Advent ein Lichtlein brennt...
--------------------------------------------------------
Ich möchte mich ganz herzlich bei euch allen bedanken
Es hat mich wirklich sehr gefreut, dass anscheinend genügend meiner Leser diese Geschichte für gut genug für eine
Emmy Nominierung erachten
Zwar habe ich ehrlich gesagt nicht mit einer Nominierung in eben dieser Kategorie gerechnet, aber gut...*lachz Man soll ja nicht meckern ;P Und nominiert ist schließlich nominiert *lachz
Jetzt muss ich nur noch gewinnen ^^ Hätte ich zumindest nichts gegen *lala Also stimmt doch bitte fleißig ab. Ob nun für mich oder für wen anderes, egal. Hauptsache immer für die wirkliche beste Geschichte in euren Augen
Nochmals
vielen Dank, Jin
------------------------------------------------------------
@Grassolini: *lachz Da hast du vollkommen Recht! Vater werden ist nicht schwer, Vater sein hingegen sehr *lachz Das passt wirklich sehr gut zu diesem Kapitel *hehe
Aber ich denke, dass man in die Vaterrolle wirklich erst hinein wachsen muss...Dass hat man nicht gleich im Blut, dass muss man mühsam erlernen! Und unser Orlando wird das auch noch tun, keine Angst

Außerdem ist da ja noch Ana und die steht ihm ja mit Rat und Tat zur Seite ^^
------------------------------------------------------------------
Die Tage kamen und gingen. Erst brannte die erste Adventskranzkerze, dann die zweite. In London war es weiß geworden über Nacht, aber die aufgehende Wintersonne kündete schon davon, dass die weiße Pracht bald verschwunden sein würde. In L.A. hingegen schien die Sonne von einem wolkenlosen Himmel auf die Küstenstadt hinab. Es schien ein verhältnismäßig warmer Winter für die Kalifornier zu werden, auch wenn dieser natürlich noch lange nicht an die Rekordtemperaturen des Sommers heranreichen konnte.
Orlando rief inzwischen fast jeden Tag einmal im Hause Aren an und wenn er es dann doch einmal nicht tat, klingelte Wanda ihn gnadenlos aus dem Bett, denn immerhin war er ihr Vater und damit geradezu dazu verpflichtet sich zumindest einmal, am liebsten aber gleich zweimal täglich bei seiner ‚Lieblingstochter’ zu melden. Ana, die über diese neue, noch innigere Beziehung der Beiden sichtlich erstaunt war, versuchte dies natürlich prompt zu verhindern, scheiterte aber an der List des Mädchens und konnte Orlando nichts weiter als gestammelte Entschuldigungen und Versicherungen der Besserung aussprechen. Dieser wiederum nahm es mit Humor und Verständnis. Vorerst zumindest....
Wandas und Orlandos Telefonate gestalteten sich stets witzig und unterhaltsam für etwaige Zuhörer. Mal erzählte das Mädchen von seinem Tag, mal fragte es Orlando aus und manchmal musste Orlando einfach eine Geschichte erzählen. Wanda konnte ihrem ‚Papa’ stundenlang zu hören und am liebsten mochte sie es, wenn er ihr davon erzählte, was sie alles zusammen machen würden, wenn er endlich wieder daheim bei seiner Familie sein würde.
Mit jedem Tag häufte sich deswegen die Liste derer Sachen, die sie gemeinsam unternehmen wollten und das Schlimmste war: Manche Dinge wollte Wanda nicht nur einmal machen...
---------------------------------------------------------
„Duhu, Jonathan...?“ Wanda scharrte unruhig mit den Fuß und kaute auf ihrer Unterlippe. Es war Sonntagmittag und somit früher Morgen in L.A. Wanda und Ana hatten beschlossen ihren freien, gemeinsamen Tag mit einem Waldspaziergang zu verbringen. Kathy und ihre Mutter wollten sich ihnen vor dem Bahnhof noch anschließen. Vor dem Aufbruch würde es jedoch noch ein gutes und vor allem gesundes Mittagessen geben...und natürlich den täglichen Anruf von Orlando!
„Mmmh...? Was ist denn, Liebes?“, entgegnete dieser gerade, während er nebenbei dabei war seine Klamotten aus dem Schrank zu fischen und ein T-Shirt nach dem anderen auf einen Haufen zu linken seines Bettes fallen zu lassen. Irgendwo war doch dieses ganz besondere T-Shirt gewesen...Nur wo?
„Also...“ Wanda geriet ins Stocken. „Also du bist doch mein Ersatzpapa, nicht...?“
Orlando nickte mit dem Kopf und fügte dem noch hinzu: „Ganz genau, das bin ich.“ Ha! Endlich hatte er es gefunden! Er hatte doch gewusst, dass er es hier in L.A. und eben nicht in London gelassen hatte! Rasch zog er sich das Shirt an, streifte sich anschließend die weiße Hose über und verließ dann sein Schlafzimmer.
„Dann...dann darf ich dich doch auch Papa nennen, oder?!“ Ein Funke von Angst klang in Wandas Stimme mit. Ganz so, als ob Orlando nicht ihr Vater wäre, wenn sie ihn nicht eben so nennen durfte.
Und tatsächlich fühlte auch Orlando, dass diese ganz besondere Beziehung zwischen ihnen den Papa rechtfertigte. „Natürlich darfst du das!“, erklärte er ihr deswegen, auch wenn er einen kleinen Funken von Unsicherheit verspürte, denn immerhin wurde man nicht allertage Vater eines quirligen, sechsjährigen Mädchens. „Sonst wäre ich schließlich doch auch nicht dein Papa, nicht...?“, neckte er sie dann jedoch, seine Zweifel vergessend.
„Natürlich nicht!“ Wanda rümpfte die Nase. „Dann wärst du nur irgendwer, aber so bist du mein Papa!“ Sie strahlte über das ganze Gesicht und genoss es sichtlich den Briten so ansprechen zu können. ‚Papa’ sagte sie noch einmal still vor sich hin und musste dabei nur noch mehr grinsen...
---------------------------------------------------------------------
Ein anderes Mal rief Wanda Orlando an, als ihr gerade einfach einmal langweilig war. Die Schule war aus, die Hausaufgaben waren wenn auch nur widerwillig gemacht worden und die heutige Folge von ‚Hotel Zack und Cody’ kannte sie bereits. Was konnte es also Besseres geben, als mit ihren lieben Dad wieder einmal über ein Geschenk zu sprechen oder Pläne für die kommenden Tage auszumachen...?
Mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht und einer gehörigen Portion Vorfreude wählte sie von daher Orlandos Handynummer, wobei sich ein kleiner Funke von schlechten Gewissen in ihr breit machte. Ana wusste nämlich höchstens von vier oder fünf Gesprächen, die Wanda mit ihrem Freund drüben in Amerika geführt hatte, aber inzwischen hatten die Telefonate diese Anzahl bei weitem überschritten. Ihre Tante würde am Ende des Monats toben...
Aber trotzdem! Sie wollte nun einmal mit ihrem Papa reden! Anastasia würde das schon verstehen...Dies hoffte Wanda zumindest. Immerhin wusste die Fünfundzwanzigjährige noch nicht einmal von Orlandos ‚Vaterschaft’, denn das hatte Wanda wohlweislich vor ihr verborgen gehalten...
Ein Tuten ertönte. Ein weiteres folgte, dann noch ein drittes. Und schließlich - beim achten Klingeln erst! – wurde das Gespräch entgegen genommen. „Aloa, hier das sonnige Kalifornien!“, meldete sich eine fremde Stimme zu Wort.
Wanda runzelte die Stirn. „Wer bist denn du...?!“ Das Mädchen klang alles andere als freundlich, ja es klang sogar ein Hauch von Verärgerung in ihrer Stimme mit, denn schließlich wollte sie mit Jonathan sprechen und nicht mit irgendeinen komischen Kauz!
„Na aber hallo...?! Mich muss man doch kennen.“, behauptete der Mann am anderen Ende der Leitung gerade dreist. „Ich bin schließlich der Frodo!“ Arroganz und Eitelkeit schwangen in der Stimme mit, aber auch, ganz unterschwellig nur, ein Hauch von Amüsement.
„Der Frodo...?“ Wanda runzelte die Stirn. Irgendwoher kannte sie doch diesen Namen...
„Kennst du etwa den Frodo nicht?!“ Nun war der junge Mann ganz eindeutig entsetzt. Ja, er klang beinahe albern, als er diese Frage mit einem Ernst aussprach, der beeindruckend von seinen schauspielerischen Leistungen zeugte.
„Doch natürlich!“, behauptete Wanda jedoch natürlich prompt, die sich vor einem fremden Mann nicht bloßstellen wollte.
„Ach ja...? Und wer ist das?“, hakte der junge Mann am anderen Ende der Leitung nach. In seiner Stimme schwang eine gehörige Portion Misstrauen mit.
„Ähm...“ Wanda begann mit dem Fuß zu scharen. Woher kannte sie den Namen bloß...? Ihr lag es auf der Zunge, ja sie wusste es beinahe bereits! „Ähm also...“ Und dann kam ihr die Erleuchtung. „Ha, das ist der Ringträger!“ Stolz streckte sie ihre Brust hervor und hob ihr Nässchen der Decke entgegen. Im Stillen dankte sie nebenbei Anastasia, die ihr erst vor kurzem von Jonathans wahrer Identität und damit verbunden auch von einigen seiner Filme erzählt hatte. Den kleinen, drolligen Hobbit und seine drei Freunde hatte sie dabei ganz besonders gern gemocht...
„Sehr gut!“, lobte Frodo sie und neugierig geworden fragte er nun nach: „Sagst du mir nun auch noch deinen Namen...?“
„Ich bin die Wanda!“ Das Mädchen stieß ein Kichern aus. „Sag mal, weißt du wo mein Papa ist...?“
„Ähm dein Vater....?“ Lij runzelte die Stirn. „Tut mir Leid, da musst du dich verwählt haben.“, erklärte er der Kleinen. „Mein Freund Lando hat nämlich keine Kinder...“
Nun war auch Wanda verwirrt. Wer war denn Lando...? Sie hatte doch die ganz normale Nummer gewählt oder? Sie blickte das Display an. Ja, da stand sie und Zahl für Zahl war richtig eingegeben worden. Aber wie kam Frodo denn dann auf Lando...? Obwohl... „Sag mal, steht Lando für Orlando...?“, wollte Wanda wissen.
„Öhm, ja natürlich.“, entgegnete Lij, der auf einmal einen leichten Schwindeln in sich aufsteigen spürte. Seine Beine drohten unter ihm nachzugeben und darum ließ er sich schwer auf einen Stuhl sinken. „Wanda...“, entfuhr es ihm, denn schlagartig war ihm bewusst geworden, wo er diesen Namen schon einmal vernommen hatte. „Du bist die Wanda aus London, nicht...?! Das kleine Mädchen, dem Orlando immer Geschichten erzählt!“
„Jupsa, die bin ich!“ Wanda nickte mehrmals energisch und stieß ein erfreutes Lachen aus. „Kann ich denn nun meinen Papa sprechen...?“, kam sie dann jedoch erneut auf ihr altes Anliegen zu sprechen, denn immerhin wollte sie lieber mit ihrem Vater sprechen, als ihre Zeit mit diesen zugegebenermaßen ganz amüsanten Hobbit zu verbringen.
„Ähm also...“ Lij geriet ins Stocken. Er musste mehrmals blinzeln, dann entfuhr ihm ein Keuchen. „Wieso denn Vater...?! Ich mein...ich mein Orlando hat doch kein Kind, oder?!“ Der Hobbit fuhr sich unruhig durch die Haare. „Das hätte er mir doch erzählt!“
„Na ja, ähm...“ Wanda kaute nachdenklich auf ihrer Unterlippe. „Er ist ja auch nur mein Ersatzpapa, weißt du...?“, erklärte sie Frodo dann. „Solange eben bis ich einen richtigen gefunden habe, damit ich nicht mehr so traurig bin, wenn die anderen von ihren tollen Papas schwärmen und ich dann nicht mit reden kann.“
Lij entfuhr ein erleichtertes Seufzen. Gut so, die Saufabende waren als doch noch nicht abgeschrieben und das nächtelange DvD-Sehen auch nicht. Das einzige, was ihm zu Wandas Worten einfiel, war ein ‚Aha’.
Beide schwiegen. Die Uhr tickte unnachgiebig im Hintergrund. Autos rauschten auf der Straße vorbei und hielten mit quietschenden Reifen vor der umschaltenden Ampel. Schließlich wurde Wanda ungeduldig: „Wo ist denn nun Jonathan...?!“, wollte sie wissen. „Er soll gefälligst herkommen und mit mir sprechen!“ Sie stemmte sich trotzig eine Hand in die Hüfte. „Das ist immerhin seine Pflicht!“
„Ähm, der hat gerade einen wichtigen Termin und sein Handy hier bei mir im Cafe vergessen.“, erzählte Lij ihr. „Ich kann ihn aber ausrichten, dass er dich zurückrufen soll, okay...?“, schlug er dem Mädchen prompt vor, da er sich noch zu gut an seine kleine Nichte erinnerte, die immer dann, wenn sie einen Wunsch nicht erfüllt bekam, in fürchterliche Weinkrämpfe verfallen war, die ihm, Lij, die letzten Nerven geraubt hatten. Oh nein, auf so etwas konnte er dankend verzichten!
„Na gut.“, stimmte Wanda ihm bei, setzte dem aber sogleich noch drohend hinzu: „Aber wehe du vergisst es!“ Und ehe Elijah Widerspruch einlegen konnte, legte sie mit einem ‚Tschüss, Frodo!’ auf....
-----------------------------------------------------------
Ein anderes Mal rief Orlando Wanda mit Johnnys Handy an, da er sein eigenes zu Hause vergessen hatte. Die einzige Bedienung des Captains war es gewesen, dass das Gespräch über die Freisprechanlage seines Autos stattfinden sollte, denn er brannte darauf mit dem kleinen, deutschen Mädchen zusprechen. Da es jedoch unwahrscheinlich war, dass diese in nächster Zeit nach L.A. oder er nach London kam, musste er auf diese rücksichtslose Taktik zurückgreifen...
Die beiden Männer waren gerade auf den Weg zu einem etwas abseits gelegenen Strand, an dem sich auch Stars wie sie noch gefahrlos bewegen konnten. Hinten im Auto lärmten Lily und ihr Bruder, die sich schon diebisch auf einen Tag mit ihrem Dad und ganz ohne gestrenge Mutter freuten. Wahrscheinlich würden sie ein Eis nach dem anderen Essen dürfen, ohne anschließend eine halbe Stunde nicht ins Wasser zu dürfen!
Die Leitung wurde freigeschaltet. Das übliche Tuten ertönte. Erst einmal, dann zweimal und dann sogar ein drittes Mal. Schließlich nahm eine helle Kinderstimme das Gespräch entgegen: „Aren, guten Tag.“
„Morgen, Kleines...“
Wanda begann zu strahlen. „Papa!“ Sie stieß ein Jauchzen aus. „Endlich rufst du an!“ Johnny, der von seinem britischen Freund zuvor bereits wohlweislich über seine neue ‚Vaterrolle’ informiert worden war, stieß ein Kichern aus. Allein wie das klang! Papa! Dieses Wort wollte beileibe nicht zu den lebenslustigen und stets die Gefahr liebenden Schauspieler passen. Aber andererseits...Johnny lauschte dem Gespräch mit Argusohren und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Orlando stieß indes ein Lachen aus. „Ich weiß, heut bin ich ein bisschen spät dran, aber ich habe auch mein Handy zu Hause vergessen.“, erklärte er seiner ‚Tochter’. „Johnny musste mir erst sein Handy leihen...“
„Ach so.“ Wanda runzelte die Stirn. Wer war denn nun schon wieder Johnny...? Vor lauter Namen schwirrte ihr manchmal der Kopf. Frodo, Dom, Viggo und jetzt auch noch Johnny! Irgendwann, so beschloss sie, würde sie die Gesichter hinter diesen Namen kennen lernen, denn immerhin waren diese Männer Freundes ihres Papas... „Duhu Dad...?“ Sie setzte einen flehenden Tonfall auf.
„Ja, was willst du nun schon wieder?“ Orlando stieß ein Seufzen aus. Diesen ganz speziellen Tonfall kannte er inzwischen nur zu gut und leider war er noch nicht dermaßen geübt daran ihn nicht zu beachten wie es zum Beispiel Ana war...
„Also...“ Wanda räusperte sich. „Ich hab...hab heut in der Schule meinen Freundinnen von dir erzählt und ihnen versprochen, dass wir mal alle zusammen ins Kino gehen.“ Sie schwieg kurz und kam dann auf ihr eigentliches Anliegen zu sprechen: „Das können wir doch machen, oder...?!“
Orlando verfiel ins Lachen. „Natürlich können wir das machen!“, versicherte er der Kleinen, während er seinem Freund auf den Fahrersitz ein theatralisches Augenverdrehen schenkte. Sein Blick schien zu sagen: ‚Ich kann einfach nicht anders!’. Dieser wiederum begegnete seinem Blick mit einem zugleich verständnisvollen wie amüsanten Blick. Oh ja, diesen Tonfall kannte er nur zu gut von Lily und seinem Sonnenschein konnte er immerhin auch nichts abschlagen!
„Super!“ Wanda strahlte über das ganze Gesicht. Sie huschte in die Küche und mopste sich ein Engelsauge. „Schmeckt gut!“, lobte sie Frau Brie mit vollem Mund, die wieder einmal auf sie aufpasste und mit der sie kurz zuvor allerhand Plätzchen gebacken hatte. Immerhin war bald Weihnachten und ohne Kekse lief bei der alten Witwe nichts! Jahr für Jahr backte sie Backblech für Backblech voll herrlich duftender Kekse und verteilte diese anschließend im Haus und in der Nachbarschaft.
Dann erstarte Wanda. War das nicht...? Sie runzelte misstrauisch die Stirn und kniff die Augen ganz fest zusammen. „Papa, wer ist denn noch bei dir...?!“, wollte sie von dem Schauspieler wissen.
Dieser zuckte die Schultern. „Nur Johnny, Lily und ihr Bruder.“, erklärte er dem Mädchen, während er seinem Schauspielkollegen andeutete links abzubiegen. „Hier links und dann ein Stück geradeaus.“, erklärte er seinem Freund.
„Und wer ist Lily...?!“ Wanda klang ein ganz kleines bisschen mürrisch. Sie wollten ihren Papa für sich haben und ihn nicht mit irgendwem teilen müssen!
„Lily ist...“, wollte Orlando ihr soeben erklären, als ihm besagtes Mädchens ins Wort fiel: „Ich bin Lily!“ Ein Kichern ertönte. „Und wer bist du...?“
Wandas Augen glichen nur mehr schmalen Schlitzen als sie die ihr fremde, kindliche Stimme vernahm. „Wanda.“ Ihre Stimme klang eisig, sodass Lily erschrocken zusammenzuckte. „Und Jonathan ist mein...“ Dieses eine Wort betonte sie ganz besonders. „...Vater!“
Kurz schwieg Lily eingeschüchtert, dann erwiderte sie jedoch keck: „Schön für dich!“ Ein Lachen klang in ihrer Stimme mit. „Ich hab nämlich meinen eigenen Papa.“ Und dem setzte sie noch frech hinzu: „Außerdem ist Onkel Lando viel strenger als mein Papa!“ Sie rümpfte ihr Nässchen. „Da behalte ich lieber meinen eigenen. Lando kannst du ruhig behalten...“
------------------------------------------------------
Hast du noch Zeit für ein Review?
Geschrieben von grassolini am 11.06.2009 um 12:55:
die armen Ohren von Orlando werden glühen, nach den vielen anrufen.
Da bin ich mal gespannt, wie er seine versprechen alle hin kriegen will.
Super geschrieben. Mach weiter so. Ich feu mich schon auf den nächsten Teil.
Forensoftware: Burning Board 2.3.6, entwickelt von WoltLab GmbH